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Wozu dann einen Tunnel??? - es ist doch alles Bestens!!!  von Ralf am 31 Dec. 2005 09:58

Alternative Lösung für Leonberg. Frage an Prof. Kölz

RE: Alternative Lösung für Leonberg. Frage an Prof. Kölz

Weitere Fragen:


Aus der LKZ:

Bernhard Schuler: Am 4. Januar erfolgt der erste Spatenstich zum Ausbau der Autobahn A 8 und den Bau des Westanschlusses. Damit werden wir durch Autobahn und Engelberg-Tunnel eine leistungsfähige Umfahrung der Stadt haben. Der Restverkehr ist weitgehend selbst erzeugt und spielt fast nur zu Berufsverkehrszeiten eine Rolle. Wir haben in Leonberg täglich fast 10 000 Menschen, die hierher zum Arbeiten kommen und ebenso fast 12 000 Leonberger, die von hier in einen andern Ort zur Arbeit fahren. Möglicherweise hilft der Bau der S 60, dass ein größerer Teil der Pendlerströme künftig den Öffentlichen Personennahverkehr nutzt. Hinsichtlich der Luftverschmutzung ist es zum Glück so, dass wir beispielsweise den Grenzwert bei der Feinstaubbelastung mit ziemlicher Sicherheit nicht überschreiten werden. Während in andern Städten an über hundert Tagen dieser überschritten wurde, wurden bei uns einschließlich 6. Dezember 2005 lediglich 16 Überschreitungen (bei 35 erlaubten) des Tagesmittelwertes in der Grabenstraße, der höchst belasteten Stelle der Stadt, gemessen. Im übrigen werden wir uns weiter dafür einsetzen, dass die Belastungen dort bekämpft werden, wo es am wirkungsvollsten ist - an der Quelle.

 

von Renate Wohlbold am 19 Jan. 2006 13:40

Leider hatte ich am Dienstag keine Möglichkeit mehr, meine Frage an Prof. Kölz zu stellen. Er ist soviel ich weiß Verkehrsplaner und nicht nur Straßenplaner. Ich hätte gern gewußt ob ein Verkehrsplaner für Leonberg auch andere zukunftsfähige Lösungsvorschläge anbieten könnte.
Leonberg ist eine relativ kleinflächige Stadt die durch zwei Autobahnen ähnlich stark belastet ist wie es sonst nur Großstädte sind. Daran kann man nichts ändern.
Großstädte reagieren zur Zeit auf diese Problematik indem sie versuchen die Verkehrsmengen z. B. durch Städtemaut zu reduzieren. Leonberg ist dafür zu klein, müsste aber trotzdem eher versuchen Verkehrsmengen zu reduzieren als sie zu erhöhen was durch den Bau einer neuen Straße durch die Stadt unweigerlich der Fall wäre.
Das vorhandene Straßennetz, und da werden mir sicher viele zustimmen wird in Leonberg nicht intelligent genutzt. Andere Städte haben grüne Welle, in Leonberg steht jeder Autofahrer beinahe an jeder Ampel und es gibt viele davon. Leider hat es in Leonberg keiner geschafft, einen ordentlichen Verkehrsfluss zu gewährleisten was an der mangelnden Qualifikation oder abweichenden Interessenlage bisheriger Berater liegen mag.
So hätte ich gerne von Herrn Prof. Kölz gewusst, ob er unter anderen Voraussetzungen (kommunalpolitische Vorgaben) mit intelligenter Nutzung des bisherigen Wegenetzes und zusätzlichen Verbesserungen im ÖPNV und beim Rad- und Fußwegenetz auch eine gute Lösung für Leonberg gefunden hätte.

von Ewald Thoma am 19 Jan. 2006 22:22

in der Tat - Prof. Kölz hat die vorgegebenen Ziele erfüllt und damit als Gutachter unter den vorgegeben Randbedingungengute gute Arbeit geleistet. (Wenn man von den von mir kritisierten Verkehrszahlen am Ortsausgang nach Ditzingen mal absieht das ist nach wie vor erklärungsbedürftig). Er hat z.B. als erster der vielen für Leonberg tätig gewesenen Verkehrsplaner klar und deutlich die (missliche) Lage Leonbergs im regionalen Straßennetz dargestellt mit der Bedrohung, dass jedes zusätzliche Straßenangebot in oder um Leonberg außerörtlichen Verkehr anzieht. Wenn man sich in Erinnerung ruft, wie diese Wirkung noch vor 5 Jahren anläßlich der Diskussionen um die Nordwesttangente von der Stadtverwaltung heftigst bestritten wurde, ist diese Einsicht immerhin ein deutlicher Fortschritt.
Das Problem waren aber die einseitigen Ziele, welche ihm vorgegeben wurden. Dazu hier nochmals die Zielvorgaben der Stadt (Zitat Drucksache P34):

- verkehrliche Entlastung der Innenstadt, insbesondere der Altstadt und der Zwischenstadt
- Reduzierung der Umweltbelastung in stark vorbelastetetn Räumen (z.B. Grabenstrasse)
- Erhöhung der Aufenthaltsqualität in den Straßenrandbereichen (z.B. Eltinger Straße, Neuköllner Platz )
- stadtverträgliche Organisation des Verkehrs aus städtebaulicher Sicht

Aus dieser Formulierung geht klar hervor worum es der Stadtverwaltung einzig und alleine ging: um Vorschläge zur Verkehrsentlastung des Straßenzugs Grabenstraße, Eltinger Str., Neuköllner-Platz. Auf die Gesamtstadt bezogene Ziele wie Entlastung der GESAMTstadt (insbesondere von Wohngebieten), ‘gerechte Verteilung der Verkehrslasten, ‘Beachtung der existierenden Vorbelastung in allen Stadtteilen‘, ‘Entwicklung von Flächennutzungs-Konzepten zur Vermeidung von Individualverkehr im gesamten Stadtgebiet, ‘Optimierung des Verkehrsflusses‘ usw. sind nicht aufgeführt und waren daher auch nicht Gegenstand der Untersuchungen bzw. hatten keine Priorität. Es hat auch offensichtlich das Geld für eine wirkliche qualifizierte eigene Betrachtung gefehlt, d.h. bisherige (möglicherweise zweifelhafte) Ergebnisse mussten übernommen werden. Daher ist es nicht verwunderlich dass als Ergebnis der westliche Altstadttunnel herauskam. Daher wäre es tatsächlich interessant zu wissen, was Prof. Kölz bei einer anderen Zielsetzung als Ergebnis herausbekommen hätte. Leider werden wir dies wohl nie erfahren können, da er sich auf das Spiel der Stadt eingelassen, sich daher zu weit hinausgelehnt hat und damit ‘verbrannt‘ ist. Schade eigentlich.

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