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Stadt will die alten Tunnels doch schließen

Im Engelberg soll auch die bisher offene Weströhre aus Sicherheitsgründen mit Erde gefüllt werden

Leonberg. Beide Röhren des alten Engelbergtunnels sollen so schnell wie möglich aus Gründen der Sicherheit verfüllt werden, um sie dauerhaft stabil zu machen. Darüber hat der Leonberger Gemeinderat nun in seiner Sitzung am

19. Dezember zu entscheiden.

Von Arnold Einholz

Die Gutachter haben gesprochen: Die beiden Tunnelröhren des ehemaligen Engelbergtunnels müssen zwingend verfüllt werden. Die alten Röhren sind nicht mehr sicher und könnten einstürzen, was auch Folgen für die Bebauung über dem Tunnel haben könnte. Allerdings soll am Südportal in der Weströhre ein Aufenthaltsbereich frei gehalten werden, der an das ehemalige KZ in dem früheren Autobahntunnel erinnert.

Kaum ein Thema hat in den vergangenen zehn Jahren die Gemüter in Leonberg so erhitzt, wie die Diskussion um den alten Engelbergtunnel. Mit dem privat finanzierten Bau des 2,5 Kilometer langen Engelbergbasistunnels entlang der A 81 wurde 1998 Deutschlands erster, nur 300 Meter langer Autobahntunnel durch den Engelberg überflüssig. Damit war der Weg frei für mannigfaltige Visionen und hitzige Debatten quer durch den Gemeinderat und die Bürgerschaft. Während die einen die Möglichkeit sahen, die Stadt hier zusammenwachsen zu lassen und Lärm und Abgase zu verbannen, wollten die anderen den Tunnel für eine mögliche Umgehungsstraße nutzen.

In der Planfeststellung für den neuen Tunnel und den Ausbau des Leonberger Autobahndreiecks war festgeschrieben worden, beide Röhren mit Abraum von der Baustelle zu verfüllen. In der Bürgerschaft schaukelte sich das Thema aber immer mehr hoch und gipfelte in der größten Unterschriftensammlung der Stadtgeschichte. Mehr als 9000 Unterzeichner forderten, mindesten die Weströhre des Tunnel offen zu halten, um hier eine Umgehungsstraße zu bauen. Der Gemeinderat ließ Gutachten einholen. Die Fachleute sprachen sich aber gegen eine Umgehungsstraße in diesem Bereich aus. Der Gemeinderat und die Stadtverwaltung einigten sich daraufhin auf einen Kompromiss: Die Oströhre wird dichtgemacht, die Weströhre wird nur an der Nordseite zugeschüttet und bleibt bestehen, allerdings mit einem verschließbaren Tor am südlichen Portal.

Durch den Bau und die Inbetriebnahme des Engelbergbasistunnels im Jahr 1998 wurde der Engelbergtunnel stillgelegt. Die Weströhre wurde der Stadt Leonberg übertragen, die Oströhre blieb im Besitz des Bundes. Der etwa 300 Meter lange Engelbergtunnel verläuft zum Teil unterhalb des Geltungsbereichs des rechtskräftigen Bebauungsplans "Untere Burghalde, östlicher Teil" aus dem Jahr 1985. Und angesichts der ruhigen Wohnlage oberhalb der südlichen Tunnelportale haben viele Grundstückseigentümer dort bereits gebaut oder wollen dies noch tun.

Im Oktober 2004 hat aber das Regierungspräsidium Stuttgart darauf hingewiesen, es sei nicht auszuschließen, dass sich der Grund über den Tunnelröhren setzen werde und die Tunnelgewölbe einstürzen könnten. Erteilt nun die Baurechtsbehörde der Stadt Leonberg im Bereich oberhalb eine Baugenehmigung, steht die im wahrsten Sinne auf wackligen Beinen, denn es ist unsicher wie sich die beiden Tunnelröhren im Laufe der Zeit entwickeln. Wird ein Bau genehmigt und es treten Schäden auf, haftet die Stadt dafür.

Gemeinsam mit dem Regierungspräsidium hat die Stadt im Mai Fachleute beauftragt, hinter die alten Tunnelgewölbe zu blicken. Sogar der Eingang zur Oströhre wurde wieder frei gelegt. Der Baugrund und der Zustand der Tunnelröhren sollten überprüft werden. Das Fazit der Gutachter: Beide Röhren müssen geschlossen werden. Der Zeitpunkt dafür muss nun mit dem Bund abgestimmt werden, der durch das Regierungspräsidium Stuttgart vertreten wird. Zunächst muss jedoch der Gemeinderat zustimmen.

Die mit der Gedenkstätteninitiative bestehenden Verträge sollen angepasst werden. Die Verwaltung schlägt vor, am Südportal einen kleinen Aufenthaltsbereich von einigen Metern Länge in der Weströhre frei zu halten. Der restliche Tunnel soll verfüllt und zugemauert werden. Siehe Kommentar

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