ZURÜCK

 

Ein Altstadttunnel weitab vom Glemstal
 
Bürger aus dem Haldengebiet machen sich für einen Tunnel stark im Bereich der Kreuzung bei Polster-Bendel
 
Leonberg. Ein Altstadttunnel, der in den Bereich östlich der Bendel-Kreuzung mündet: Mit diesem Vorschlag haben Bürger aus dem Haldengebiet beim Informationsabend zum Flächennutzungsplan am Dienstag überrascht und selbst kritische Vertreter der Gartenstadt überzeugt.

Von Arnold Einholz

Die Lösung für die Verkehrsprobleme in Leonberg liegt im Westen. Davon sind Stadtverwaltung und Verkehrsplaner seit mehr als 30 Jahren überzeugt. Und so ist es nur folgerichtig, dass sich auch die Planer, die den Auftrag hatten, ein Verkehrskonzept für den neuen Flächennutzungsplan zu entwickeln, für eine Lösung im Westen aussprechen. Hauptelement ist dabei ein Tunnel, der nördlich von Leonberg von der B 295 aus unter die Altstadt geführt wird und an einem noch nicht festgelegten Standort im Westen, zwischen Glemstal und Bahnhofstraße, in die Stadt mündet. Dabei verhehlen die Planer nicht, dass es zu erheblichen Beeinträchtigungen in dem betroffenen Gebiet führen würde, wenn die Straße nach dem Tunnelmund im Glemstal und in der Mühlstraße verliefe.

Nun hat sich auch eine Bürgerinitiative "Haldengebiet Leonberg Initiativ-Gemeinschaft" (Hallig) mit dem Thema befasst und am Dienstag einem Vorschlag vorgelegt, wie ein Tunnel verlaufen könnte, ohne das Glemstal zu schädigen. "Eine Minderung der Verkehrsbelastung in der Feuerbacher-, Graben- und in Teilen der Eltinger Straße mittels eines Tunnels wird von der Hallig grundsätzlich befürwortet", macht der Sprecher der Initiative, Werner Reinhold, deutlich.

Die Hallig lehne jedoch den im Flächennutzungsplan als "Korridor" dargestellten Bereich des südlichen Tunnelmundes ab. Der biete keine Alternativen, sondern ermögliche nur Lösungen im Glemstal. Diese aber bergen nach Ansicht der Hallig alle die große Gefahr, dass sie sich zu einer Westumfahrung Leonbergs entwickeln und überregionalen Abkürzungs- und Umgehungsverkehr von und zum Autobahn-Westanschluss anlocken könnten. Leonberg könnte dann als Ausweichstrecke für die Autobahn genutzt werden, etwa von Mautprellern. Zudem befände sich der Tunnelmund am tiefsten Punkt Leonbergs, was zu deutlichen Mehrbelastungen durch Abgase führen würde. Das stadtnahe Glemstal würde als Frischluftschneise und als Naherholungsgebiet völlig entwertet.

Deshalb schlägt die Hallig als Standort für den Tunnelmund den Bereich östlich der Kreuzung bei Polster-Bendel vor, wo Bahnhof-, Linden und Rutesheimer Straße zusammenkommen. Dies würde die gefährliche Verkehrssituation im Bereich der Kreuzung entschärfen. Durch die Verlegung der Lindenstraße erhielte das Johannes-Kepler-Gymnasium eine größere Vorfläche. Auch bestünde die Möglichkeit, die Bushaltestelle an der Bahnhofstraße sicherer zu gestalten. Die bessere Erschließung direkt an der so genannten Zwischenstadt lasse zahlreiche Entwicklungspotenziale für die Zeit nach Wüstenrot offen. Und das Glemstal bleibe in seiner landschaftlichen Einmaligkeit erhalten.

Verkehrsplaner Professor Guntram Kölz wies darauf hin, dass mit dem Flächennutzungsplan noch kein Standort für einen Altstadttunnel festgelegt werde. Das sei Aufgabe von künftigen konkreten Planungen, und da könne der Hallig-Vorschlag als eine mögliche Variante natürlich in die Überlegungen mit einbezogen werden. Selbst Ewald Thoma, der kritische Sprecher der Bürgerinitiative Gartenstadt/Glemstal, die den Tunnel im Glemstal strikt ablehnt, zeigte sich für den Vorschlag aus dem Haldengebiet offen.
 
Aktualisiert: 19.01.2006, 06:03 Uhr

ZURÜCK