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Leonberg im Städtevergleich - Emissionen durch den Straßenverkehr

Verfasser: Ewald Thoma

Alles halb so schlimm – Leonberg hat keine außergewöhnliche Schadstoffbelastung, allenfalls ein gewisses Lärmproblem durch den Verkehr. So etwa ist die Meinung der lokalen Verantwortlichen. Die Fakten sprechen eine andere Sprache. Wenn man die Bürger fragt, ahnen sie es, aber das Problem wird jedoch gerne verdrängt. Es ist ein Problem der 80-er Jahre – das Thema ist nicht mehr populär, es ist out. Aber es ist immer noch da und wirkt jeden Tag – nicht unmittelbar, aber schleichend.

Dazu die folgenden Zahlen. Sie wurden staatlicherseits erhoben, sind also nicht irgendwie gefärbt sondern sozusagen amtlich. Es sind die Emissionsberechnungen der UMEG. Letzter aktueller Stand von 1998, frei im Internet zugänglich. Man muß allerdings die Einzelzahlen in einen Zusammenhang stellen, damit man was damit anfangen kann. Dazu eignen sich Vergleiche. Es liegt nahe, einfach die Städte in Baden-Württemberg zu vergleichen- dann sieht man, wo die einzelne Stadt steht und hat somit einen verständlichen Maßstab. Die Frage ist natürlich auch, welche Zahl man als Vergleich heranzieht. Wenn's um Verkehr geht, ist sicherlich die Emission der Stickoxide ein guter Indikator. Die absolute Zahl des Schadstoffausstosses sagt natürlich wenig aus. Interessant wird es, wenn man diese Zahl in Beziehung setzt zur Anzahl der Einwohner oder zur Fläche. Die UMEG hat die Basiszahlen erhoben, allerdings nur für die Verdichtungsgebiete in Baden-Württemberg (sog. Untersuchungsgebiete). Dies macht aber nichts –man kann davon ausgehen, daß die nicht erhobenen Städte unter den Werten der Verdichtungsgebiete liegen.

Hier die Ergebnisse als Tabelle:

NOX Emissionen des Strassenverkehrs in Kg/Einwohner und Jahr für die Städte über 20000 Einwohner der Untersuchungsgebiete

1

Leinfelden-Echterdingen

19,33

2

Leonberg

18,51

3

Sindelfingen

14,93

4

Ettlingen

14,21

5

Offenburg

12,07

6

Wiesloch

11,65

7

Neckarsulm

10,13

8

Rastatt

9,53

9

Pforzheim

9,38

10

Karlsruhe

9,01

11

Heilbronn

8,84

12

Ditzingen

8,33

13

Böblingen

8,18

14

Ulm

8,15

15

Weil am Rhein

7,99

16

Ravensburg

7,53

17

Mannheim

7,20

18

Freiburg

6,93

19

Heidelberg

6,89

20

Mühlacker

6,56

21

Kehl

6,34

22

Fellbach

6,19

23

Esslingen am Neckar

5,77

24

Filderstadt

5,60

25

Waiblingen

5,36

26

Ludwigsburg

5,00

27

Tübingen

4,95

28

Friedrichshafen

4,91

29

Ostfildern

4,72

30

Lörrach

4,54

31

Stuttgart

4,10

32

Reutlingen

4,02

33

Rheinfelden (Baden)

4,01

34

Weingarten

3,70

35

Bietigheim-Bissingen

3,56

36

Leimen

2,84

37

Kornwestheim

2,66

Als Grafik:

Die gleichen Emissionen als t/qkm Markungsfläche dieser Städte:

1

Leinfelden-Echterdingen

22,95

2

Sindelfingen

17,82

3

Leonberg

16,68

4

Mannheim

15,29

5

Karlsruhe

14,36

6

Weil am Rhein

11,66

7

Stuttgart

11,51

8

Pforzheim

11,27

9

Esslingen am Neckar

11,16

10

Neckarsulm

11,15

11

Heilbronn

10,62

12

Ludwigsburg

9,99

13

Wiesloch

9,85

14

Böblingen

9,66

15

Ettlingen

9,64

16

Fellbach

9,53

17

Freiburg

9,10

18

Heidelberg

8,81

19

Offenburg

8,78

20

Ulm

7,95

21

Rastatt

7,47

22

Weingarten

7,15

23

Ditzingen

6,51

24

Waiblingen

6,41

25

Ostfildern

6,23

26

Filderstadt

6,05

27

Kornwestheim

5,46

28

Lörrach

5,20

29

Reutlingen

5,08

30

Bietigheim-Bissingen

4,54

31

Friedrichshafen

3,99

32

Ravensburg

3,87

33

Tübingen

3,71

34

Leimen

3,54

35

Mühlacker

3,11

36

Kehl

2,81

37

Rheinfelden (Baden)

2,01

 

Man sieht daraus: Leonberg liegt in der absoluten Spitzengruppe noch vor den großen Städten des Landes. Erstaunlich sind auch die großen Unterschiede zwischen der Spitzengruppe und dem Schluß. Immerhin ein Verhältnis von ca. 10:1. Auch dies gibt zu denken, bedeutet dies doch, daß die Straßenverkehrslasten ziemlich ungleich verteilt sind.

Und wie sieht die Zukunft aus ? Da kann man nur sagen: düster. Dies zeigt das folgende Bild. Es stammt ursprünglich von der Region Stuttgart – ist also auch sozusagen amtlich. Es stellt die Verkehrsprognose für das Jahr 2010 dar.

Man kann sofort erkennen: im Westen von Leonberg eine Steigerung um 77 % im Osten von Leonberg immerhin noch von 45 % - das ist (leider) auch wieder Spitze im Raum Stuttgart. Das ist sicherlich kein hausgemachter Verkehr – es ist vor allem regionaler und überregionaler Verkehr, der Leonberg wenig bringt, aber viel schadet.

Normalerweise müßte man zumindest von den Volksvertretern in Leonberg annehmen, daß man sich gegen diese Entwicklung wehrt und alles vermeidet, was die Situation noch weiter verschlimmert –schließlich muß man Schaden von der Bevölkerung abwenden. Einige tun dies auch – viele aber nicht. Viele sind sich dessen wahrscheinlich auch nicht bewußt. Anders kann man die Diskussionen um die heilige Kuh Westanschluß nicht erklären. Denn woher kommen diese hohen Zuwachszahlen? Natürlich zu einem Teil vom Ausbau der A 8 –aber eben auch von der neuen autobahnähnlich geplanten B 295 zum Westanschluß. Die Zahlen von Bender und Stahl aus den Planfeststellungsunterlagen sprechen eine deutliche Sprache.

Die Schlußfolgerungen bleiben dem Leser überlassen.

Kleiner Hinweis: Es gibt vernünftige Lösungen, die diese Situation merklich abmildern können – Voraussetzung dafür ist aber ein Umdenken bei den zuständigen Planern.

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